Portugal
Sergio erzählt - am Feuer in Mexiko
"Portugal", sagt Sergio.
Er lehnt sich zurück. Schaut in die Sterne über Mexiko.
"Das war mein erstes Mal."
Eva: "Erstes Mal was?"
"Erstes Mal dass ich wirklich geglaubt habe - das geht. Das kann wirklich funktionieren."
Maria und das falsche Land
Wir kamen an. Adam mit dem Wohnmobil, ich ein paar Wochen später direkt nach Portugal.
Maria hatte Land - oder Adam dachte dass sie Land hatte. Das ist ein Unterschied der sich erst später herausstellt.
Wir versuchten trotzdem.
Kuschelecke gebaut, überdacht. Shit Pit gegraben. Dusche aufgehängt - schwarzer Sack Wasser in der Sonne, ein Loch im Boden, fertig.
Maria wollte immer dabei sein.
Das Problem: Maria arbeitete den ganzen Tag. Kam erst im Dunkeln nach Hause.
Ich sage ihr: "Maria, wir graben heute den Shit Pit."
Sie: "Oh, ich möchte dabei sein!"
Ich: "Maria. Es ist ein Loch im Boden. Du verpasst nichts."
Sergio schüttelt den Kopf.
"Jeden Tag dasselbe. Sie liebte die Idee. Aber die Idee und das Leben sind zwei verschiedene Dinge."
Dann: Añona.
Adams Hündin. Schön, klug, völlig unbeeindruckt von menschlichen Konventionen.
Añona legt sich mit einer Schafherde an.
Der Schäfer schreit.
Añona hat kein Schaf gebissen. Kein Schaf berührt. Aber sie war ohne Leine.
Adam schaut mich an.
Ich schaue Adam an.
Wir müssen nichts sagen.
Falscher Platz.
Domingos
Facebook-Gruppe: Rainbow Lands Portugal.
Adam schreibt einen Post. Lang, präzise, ehrlich.
Domingos meldet sich.
Monchique. Algarve. Kommt vorbei.
Ich war nicht dabei bei diesem ersten Treffen - ich war gerade mit Cris am kuscheln ;-). Adam fuhr alleine hin.
Er hat mir später erzählt wie es war.
Er traf Domingos und seinen Neffen Fabio in der Stadt. Domingo fuhr voraus, er kannte den geheimen Weg.
Sie gingen rein und nahmen gleich Werkzeug mit.
Und Adam - der viel redet, der immer Pläne hat - war still.
Weil da unten im Tal - sechzig Hektar, alte Ruinen, Obstbäume, ein Bach - nichts zu sagen war.
Manchmal ist die Wahrheit so offensichtlich dass Worte sie nur beschädigen würden.
Domingos zeigte ihm die Ruine. Das kaputte Dach. Die alte Küche.
Adam nahm eine Plane aus dem Rucksack.
Domingos nickte.
So fing das an.
Was Domingos mitbrachte
Jedes Wochenende: Domingos.
Manchmal alleine, manchmal mit Freunden, manchmal mit seiner ganzen Band.
Er brachte Wein mit - immer diese 5-Liter-Tetrapaks die in Portugal überall sind. Er brachte Obst aus seinem Garten. Gemüse. Jungpflanzen die er schon angezogen hatte.
Er fragte nie: was bekomme ich dafür?
Weil das nicht die Frage war.
Sergio schaut in die Runde.
"Wir haben später rausgefunden dass Domingos Michael Tellinger kennt. Persönlich. Fünfzehn Jahre Südafrika."
Eva: "Ubuntu."
Sergio nickt.
"Genau. Domingos musste das nie lernen. Der hat das einfach gemacht."
Die Nacht als Sergio ankam
Sergio lacht.
"Ich bin nachts angekommen. Mit Cris im Auto und dann ein paar Kilometer zu Fuss. Ich wusste ungefähr wo das Land war."
Er schaut ins Feuer.
"Dann habe ich das Feuer gesehen."
Pause.
"Und Añona hat gebellt. Einmal. Und dann hat sie aufgehört - weil sie erkannt hat dass ich es bin."
Er schüttelt den Kopf.
"Ich kam ins Camp. Adam saß am Feuer. Domingos saß am Feuer. Ein paar andere.
Adam hat mich angeschaut.
Hat nichts gesagt.
Hat einfach Platz gemacht am Feuer."
Sergio schaut weg.
"Da ist mir das Herz übergelaufen. Nicht weil es so dramatisch war. Sondern weil es so selbstverständlich war. Komm. Sitz. Feuer."
Er trinkt Rotwein statt Mate.
"Das ist Ubuntu."
