Ankunft in Venezuela
Die Begegnung nach 13 Jahren
Der Trimaran läuft in die Bucht.
Langsam. Der Kite ist eingeholt. Die Segel auch. Nur noch der leise Schub des Windes der das Schiff vorwärts trägt.
Sergio steht am Bug. Schaut ans Ufer.
"Da", sagt er.
Adam tritt neben ihn.
Schaut.
Ein Strand. Palmen. Ein paar Hütten. Menschen die ans Wasser kommen - langsam, neugierig, als hätten sie gewartet.
Und eine Frau die nicht langsam kommt.
Die einfach da steht.
Am Wasser. Barfuss. Die Haare im Wind.
Sie schaut nicht das Schiff an.
Sie schaut Adam an.
Sergio schaut zu Adam.
Adam schaut zum Strand.
Sergio sagt nichts.
Er geht nach hinten und bereitet das Beiboot vor.
Adam rudert alleine ans Ufer.
Das Beiboot kratzt auf dem Sand. Er steigt aus.
Sie stehen sich gegenüber.
Zwei Meter dazwischen. Dann einen. Dann keinen.
Keine Worte.
Sprache ist hier nicht mehr wichtig.
Tränen - bei ihr, bei ihm, einfach so. Nicht aus Trauer. Aus Wiedererkennen.
Der Tribe kommt.
Einer nach dem anderen. Bilden einen Kreis um die beiden.
Leise zuerst. Dann lauter.
Welcome home.
Dann Stille.
Drei Ohm.
Alle knien nieder.
Küssen die Erde.
Danken Pachamama - für die dreizehn Jahre, für den Ozean, für das Flüstern das gehört wurde.
Am nächsten Morgen
Das Licht ist weich. Der Strand still.
Sergio sitzt mit dem Erster Maat beim Feuer. Macht Kaffee.
Adam und Eva kommen.
Eva setzt sich. Nimmt Adams Hand.
Schaut ins Feuer.
"Weißt du warum ich das gemacht habe? Mit der Kaffeebohne?"
Adam schüttelt den Kopf.
"Das Land war besetzt. Unruhen. Die Menschen hatten aufgehört zu träumen."
Sie schaut ihn an.
"Ich war jung. Aber ich wusste: irgendwo da draußen gibt es jemanden der keine Angst mehr hat. Jemanden der kommt."
Pause.
"Also habe ich es dem Wasser gesagt."
Sergio schaut ins Feuer. Sagt nichts.
Der Erste Maat rührt seinen Kaffee.
Adam schaut Eva an.
"Der Fluss trägt in den Ozean."
Eva nickt.
"Der Ozean trägt nach Portugal."
Adam lächelt.
"Nach Nazaré."
Stille.
Dann sagt Sergio - leise, fast für sich:
"Die Wellen kamen von hier."
Er schaut Adam an.
"Du hast im Sand gesessen und die Wellen angeschaut."
Er schaut Eva an.
"Die Wellen kamen von dir."
Eva schaut Adam an.
Adam schaut Eva an.
Der Kaffee dampft.
Das Feuer knackt.
Irgendwo im Dschungel singt ein Vogel der keinen Namen braucht.
