Anja. Das Herz aus Granit.
Adam - innerer Monolog
Bevor Potsdam.
Bevor The Egg.
Bevor alles.
Es gibt eine Frau.
Das Herz
Mein Herz war in Granit eingehöhlt.
Das klingt poetisch. Es war nicht poetisch. Es war einfach so.
Meine Mutter hat mich geschlagen. Nicht immer. Nicht aus Hass. Aber genug um zu lernen: wenn du dich öffnest wirst du verletzt.
Meine Ehefrau war nicht aufrichtig. Nicht immer. Nicht in allem. Aber genug um zu lernen: wenn du vertraust wirst du enttäuscht.
Also: Granit.
Stark von außen. Kalt von innen.
Ich habe Jahre nicht gewusst wie das zu ändern ist. Ich habe Jahre nicht gewusst dass es zu ändern ist.
Anja
Anja war - ist - meine Seelenverwandte.
Das Wort klingt groß. Aber es ist das einzig richtige.
Sie hat durch Tantra-Massagen, durch Kurse, durch ihre bloße Präsenz geholfen das Herz zu öffnen.
Nicht mit Gewalt. Nicht mit Worten. Einfach durch - Dasein. Durch das Zeigen dass es möglich ist. Dass Offenheit nicht zwingend zu Schmerz führt.
Irgendwann - ich weiß nicht mehr wann genau - hat sie gesagt:
"Wenn ich das bei dir schaffe, schaffe ich das bei anderen Männern auch."
Ich habe das damals nicht ganz verstanden.
Jetzt verstehe ich es.
Ich war ihr Lehrprojekt. Nicht böse gemeint - liebevoll gemeint. Ich war der schwierigste Fall. Wenn das Herz aus Granit sich öffnet, öffnet sich jedes Herz.
The Egg - noch einmal
Potsdam. Sergio liest.
Die Seele die alle Seelen ist.
Ich bin alle Menschen. Alle Menschen sind ich.
Anja ist ich.
Eva ist ich.
Daphne ist ich. Martha ist ich. Domingos ist ich. Matti ist ich.
Jeder Mensch den ich je getroffen habe - jede Freude, jeder Schmerz, jede Enttäuschung, jeder Verrat - das war ich selbst der mich angeschaut hat.
Das Herz aus Granit hat sich geöffnet.
Nicht weil Anja es geöffnet hat.
Sondern weil ich verstanden habe dass das Granit nicht ich war.
Das Granit war Schutz. Guter Schutz. Nötiger Schutz.
Aber irgendwann - wenn du sicher bist, wenn du weißt wer du bist - brauchst du den Schutz nicht mehr.
Was Anja gegeben hat
Sergio fragt mich manchmal: vermisst du sie?
Ja.
Aber nicht so wie man jemanden vermisst der gegangen ist.
Eher so wie man das Licht vermisst das dir den Weg gezeigt hat. Du bist jetzt auf dem Weg. Das Licht hat seine Aufgabe erfüllt.
Sie hat mir gezeigt wie man sich selbst liebt.
Das ist das Größte was ein Mensch einem anderen geben kann.
Alles andere - die Reise, Portugal, Nazaré, Wittenberg, Venezuela - folgt daraus.
Ohne Anja: kein Potsdam.
Ohne Potsdam: kein Portugal.
Ohne Portugal: kein Atlantik.
Ohne Atlantik: keine Eva.
Eva schläft jetzt. Dort am Feuer in Mexiko.
Ich schaue sie an.
Und denke:
Anja. Dich. Ich.
Alles eins.
Alles dasselbe Licht.
Aho. 🌱
