ForgeCrowdBookWe don't sell the fish – we give you the rod.

Mexiko. Morgen.

Alle Stimmen


Das Feuer ist kleiner geworden.

Salvador schläft seit Stunden - er liegt einfach da wo er gesessen hat, Kopf auf dem Arm, zufrieden wie ein Kind das zu lange gespielt hat.

Die anderen sind gegangen. Jurten, Hängematten, das leise Atmen einer schlafenden Community.

Nur Sergio, Eva, Adam noch wach.

Und das Feuer.


Lange Stille.

Das Feuer knackt. Irgendwo im Dschungel ruft ein Tier - etwas Nächtliches, etwas das kein Name braucht.

Eva schaut Adam an.

"Und jetzt?"

Adam schaut auf den Ozean. Von hier sieht man ihn nicht - aber man spürt ihn. Das Salz in der Luft. Das leise Rauschen das nie aufhört.

"Venezuela wartet noch."

Sergio: "Wann?"

Adam: "Wenn wir fertig sind hier."

Pause.

"Und wann sind wir fertig?"

Adam lächelt.

"Das wissen wir vorher nie."


Sergio nimmt einen langen Schluck Mate.

Schaut ins Feuer.

Schaut zu Adam.

Schaut zu Eva.

Und dann - leise, fast für sich - sagt er:

"Sie hat Glück gehabt."

Eva schaut ihn an.

"Wer?"

Sergio schaut zu Adam.

Adam schaut ins Feuer.


Niemand antwortet.

Das Feuer antwortet.


Eva legt den Kopf auf Adams Schulter.

Er schaut immer noch ins Feuer.

Aber seine Hand findet ihre.

Im Dunkeln. Ohne Worte.


Sergio schaut weg.

Schaut in die Sterne.

Denkt an Potsdam. An das Mainfire. An das Lachen das alles begann.

Er hätte damals nicht gedacht dass er mal hier sitzen würde - Mexiko, Karibik, Dschungel, Feuer - und auf zwei Menschen schauen würde die sich gefunden haben durch Wellen die Venezuela nach Nazaré schickte.

Er hätte nicht gedacht dass er selbst dazu gehören würde.

Ubuntu.

Ich bin weil wir sind.


Das Feuer stirbt langsam.

Niemand legt nach.

Manchmal darf ein Feuer ausgehen.


Irgendwann schläft Eva ein. Dort wo sie sitzt, den Kopf auf Adams Schulter.

Adam bewegt sich nicht.

Sergio schaut ihn an.

Flüstert: "Sie hat wirklich Glück gehabt."

Adam schaut ihn an.

Lange.

Dann: dieses kleine, stille Lächeln.

Das Lachen von Potsdam - aber leise. Gereift. Wie Wein der Zeit hatte.

"Ich weiß", sagt er.


Ende