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Leben im Wohnmobil

Nachdem ich nun obdachlos geworden bin und sich die Reise nach Indien auch nicht so gestaltete, wie ich mir das gedacht hatte - mir war meine Flugangst noch im Weg - entschloss ich mich, mir ein Wohnmobil zuzulegen und erst einmal da drinnen zu wohnen. Nach etwas suchen im Internet bin ich dann auch fündig geworden. Ein junges Paar aus Kiel verkaufte ihren Citroen mit Dethleffs-Umbau. Ein 25 Jahre alter Alkoven, bei dem der 5 Gang hakte und der Kühlschrank nur im Winter funktionierte, weil da war es kalt genug, ansonsten aber noch gut in Schuss war. Man glaubt kaum das dieses tolle Gefährt bei dem Alter aus erster Hand war, aber vorher haben die Eltern der Besitzerin das Wohnmobil genutzt und davor die Großeltern. Dementsprechend war das Fahrzeug auch sehr gepflegt. Als ich vor Kurzem damit zum TÜV musste, waren zumindest keine teuren Reparaturen fällig. Auch Schweißarbeiten, wie man sie bei dem Baujahr vermuten könnte, waren noch nicht fällig. Nein im Großen und Ganzen war ich sehr zufrieden. Ich war nun nicht mehr obdachlos.

Das Reisen mit Max war gar nicht mal so teuer. Nachdem ich meinen Fahrstil angepasst hatte, Strich 80 fahren, verbrauchte Max gerade mal 9 Liter Diesel auf 100 km. Da habe ich schon andere Autos gefahren, die deutlich mehr Verbrauch hatte.

Max, so nenne ich mein Wohnmobil hat mir Schutz gespendet, Wärme gegeben, mich vor dem Wind geschützt und er erwies sich als ausgesprochen gute Liebeshöhle.

Nachdem ich damals in Berlin angekommen bin, stand ich mit ihm an dieser besagten Schule, welches zwischenzeitlich auch mal ein Heim für Asylsuchende war oder sogar noch ist.

Zum Duschen bin ich damals am Anfang immer im Hallenbad gewesen. Dort habe ich auch meine Wäsche mit der Hand gewaschen. Ich hatte mir in Flensburg extra Unterwäsche aus Merino-Wolle gekauft, weil man die ein paar Tage lang tragen kann, ohne das sie den Geruch von mir aufnehmen und getrocknet sind die auch ganz schnell wieder.

Um meine Toilette zu leeren und um Grauwasser abzulassen, bin ich immer auf der Autobahn zur nächsten Raststätte gefahren. Dort konnte ich mein Zeug einmal die Woche kostenlos entsorgen.

Das mit dem Wasser nachfüllen war zu der Zeit etwas komplizierter. Hierfür habe ich an dieser Tankstelle erst mal alle Behälter mit Kühlwasser geleert, bis das jemanden aufgefallen ist und mir einen Tip gab, das Wasser im Klo aufzutanken. Das kostete allerdings 3,- € oder so.

Später habe ich dann einen Campingplatz in Berlin gefunden, wo ich für 5,- € alles entsorgen und Wasser auffüllen konnte. Dort habe ich anfangs auch meine Gasflaschen tauschen können. Irgendwann wurde das den Leuten dort wohl zu viel und sie verrieten mir, wo sie ihr Gas her bekommen. Dort zahlte ich dann lediglich für die Füllung.

Nachdem ich meine Seelenverwandte kennenlernte, habe ich dort immer Duschen und Wäsche waschen können. Wir waren oft gemeinsam mit Max unterwegs zum Kitesurfen oder einfach zum Relaxen an die Ostsee.

Wir haben sogar einmal einen Spontanurlaub nach Dänemark zu viert veranstaltet, weil gerade Ferien waren und wir uns gelangweilt hatten. Da durfte Max dann auch mal einen richtigen Campingplatz kennenlernen.

Nachdem unsere Beziehung dann aber irgendwann zu Ende war musste ich mir etwas zum Duschen organisieren. Ich manifestierte ein Fitness-Studio, das genau dort errichtet wurde, wo ich immer mit meinem Wohnmobil stand. Dort konnte ich dann von 6:00 - 24:00 duschen gehen. Na ja und die Sauna habe ich auch immer mitgenommen...und später sogar dort trainiert.

Du musst mir das bitte nicht übel nehmen, wenn ich immer von diesen Manifestationen rede. Aber ich brauchte eine Dusche und dieses neue Fitness-Studio fing zu dieser Zeit an, Werbung zu machen, das sie in einem Monat neu eröffnen. Andere Leute würden hierbei von Zufall reden, aber an so etwas glaube ich nicht. Denn dafür gibt es das Gesetz der Kausalität. Es gibt keine Wirkung ohne Ursache und keine Ursache ohne Wirkung. Und nach dem Gesetz der Resonanz habe ich, meiner Meinung nach, diese Dinge manifestiert.

Ich hätte ja auch etwas anderes suchen können. Aber warum soll ich etwas suchen, wenn ich es doch manifestieren kann.

So, ich hatte also einen Platz zum Duschen und fand dann auch einen Platz zum Arbeiten. In einer Bibliothek in der Nähe konnte ich im Leseraum sitzen, bekam kostenlos Strom und das WLAN war auch kostenlos. Dort habe ich über ein ganzes Jahr fast jeden Tag gearbeitet und meine Open Source Software geschrieben und meine Non-Profit-Firma geplant.

Das Wohnmobil hat übrigens nur ganze 4.000,- € gekostet. Ist also ein wenig günstiger als eine 1 Zimmer Wohnung in Berlin ;-)