ForgeCrowdBookWe don't sell the fish – we give you the rod.

Salvador und die Tribal Craft Community

Schauplatz: Mexiko - am Feuer


Salvador wartet am Ufer.

Er stand da als wären wir verabredet. Arme ausgebreitet, dieses Lächeln das sein ganzes Gesicht einnimmt, der Geruch von Holzrauch und Chili der ihn umgibt wie eine Wolke.

"Hermanos!"

Sergio springt als erster vom Boot. Die beiden umarmen sich wie Männer die sich seit Jahren nicht gesehen haben - weil es so ist.

Seedcamp. Österreich. Vor langer Zeit. Damals als die Welt noch dachte dass Grenzen etwas bedeuten.


Die Tribal Craft Community liegt eine Stunde vom Ufer entfernt. Dschungel, Schlammpfad, dann plötzlich: Lichtung. Jurten. Hängematten. Ein riesiges offenes Feuer in der Mitte. Menschen die werkeln, pflanzen, singen, schlafen.

Salvador zeigt uns alles mit der Begeisterung eines Kindes das seinen Sandkasten zeigt.

Hier die Küche - alles aus dem eigenen Garten. Dort die Werkstatt - Tribal Crafting, Holz und Metall und Leder. Da hinten der Meditationsraum - "kein Dach, nur Sterne."

Matti geht direkt zum Feuer. Setzt sich. Schaut hinein.

Natürlich.


Abends.

Das Feuer ist tiefer geworden. Gegessen wurde - irgendwas mit Bohnen und Chili und frischen Tortillas die Salvador selbst gemacht hat.

Wir sitzen im Kreis.

Jemand fragt - einer der Tribal Craft Menschen:

"Wie seid ihr hierher gekommen? Von wo?"

Sergio und Eva schauen sich an.

Sergio lacht.

"Das ist eine lange Geschichte."

Eva: "Fang an."

Sergio: "Von wo?"

Eva überlegt.

"Von Wittenberg."

Sergio schüttelt den Kopf. Schaut ins Feuer.

"Nein."

Stille.

"Von Potsdam."


Und dann fängt Sergio an zu erzählen.

Er erzählt rückwärts - so wie er immer erzählt wenn er müde ist und die Mate schon leer. Von Venezuela zurück. Von der Begegnung mit Eva. Vom Atlantik. Von den Kanaren. Von Israel. Von Barcelona und den heissen Quellen und Martha. Von Portugal und Domingos und den 60 Hektar. Von Wittenberg und der Parkbank und dem Schild.

Bis nach Potsdam.

Bis zu The Egg.

Bis zu dem Lachen das alles begann.


Adam sitzt dabei und sagt wenig.

Manchmal korrigiert er - "Nein, die Steuerkette war nicht in Lissabon, die war in Amoreira" - aber meistens schaut er ins Feuer und lässt Sergio reden.

Als wäre es eine Geschichte über jemand anderen.

Als wäre er selbst nur Zeuge.

Eva schaut ihn manchmal an. Er merkt es. Schaut nicht zurück.

Nicht weil er sie nicht sehen will.

Sondern weil er weiß: wenn er jetzt zurückschaut, lacht Sergio.

Und Sergio hat immer recht.


Es ist fast Mitternacht als Sergio fertig ist.

Salvador schaut lange ins Feuer.

Dann sagt er leise:

"Das ist das schönste Buch das ich je gehört habe."

Sergio schaut ihn an.

"Es ist noch nicht fertig."

Salvador nickt.

"Die besten Bücher sind nie fertig."