Portugal. Domingos. Das Paradies.
Eva fragt - Sergio antwortet
Eva schaut Sergio an.
"Das war das Camp Eden das du mir erzählt hast. Das erste."
Sergio nickt.
"Das erste. Das echte."
"Beschreib es mir."
Sergio schaut ins Feuer. Lang.
"Monchique. Algarve. Ein Tal das man nicht sieht bis man drin ist."
Das Tal
Sechzig Hektar.
Das klingt nach Zahl. Aber sechzig Hektar in diesem Tal - das ist eine Welt.
Alte Obstbäume. Portugiesische Eichen? Weit gefehlt, dort war alles von Eukalyptusbäumen umgeben, mit dem die Regierung Geld machte, und damit eigentlich das Land zerstört hat. Ein Bach der im Sommer fast verschwindet und im Winter laut wird. Ruinen die noch die Wärme der Menschen drin haben die dort gewohnt haben.
Die Küche - erst eine Ruine, dann eine Plane, dann ein echtes Dach - war das Herz.
Morgens: Feuer. Kaffee. Wer kommt der kommt.
Abends: Feuer. Essen was der Garten und Domingos gebracht hat. Wer reden will redet. Wer schweigen will schweigt.
Das ist alles.
Das reicht.
Añona
Eva: "Und Añona?"
Sergio lacht.
"Añona war der Wächter."
Tagsüber: irgendwo im Tal, ihren eigenen Geschäften nach.
Nachts: im Camp. Direkt neben der Hängematte.
Einmal - mitten in der Nacht - fängt sie an zu bellen. Laut. Wütend.
Adam springt raus.
Wildschweine. Eine ganze Herde. Am Rand des Camps.
Añona stellt sich dazwischen.
Alleine.
Kein Zögern.
Die Wildschweine verschwinden.
Añona kommt zurück. Legt sich wieder hin.
Job erledigt.
Sergio schüttelt den Kopf.
"Das war eine Hündin. Aber sie wusste genau was ihre Aufgabe war."
Was Adam abends dachte
Sergio schaut ins Feuer.
"Es gab Abende - Adam hat mir das erzählt - wo er in der Hängematte lag und in die Sterne schaute und dachte: das ist es. Ich habe es gefunden."
Er pausiert.
"Und dann dachte er: aber Anja ist nicht hier."
Eva hört zu. Sagt nichts.
"Anja hatte gesagt - wenn du das Paradies findest, komme ich nach. Egal wo. Portugal. Venezuela. Ich komme."
"Aber sie kam nicht."
Sergio schüttelt den Kopf.
"Nicht weil sie nicht wollte. Ihre jüngste Tochter wohnte noch bei ihr. Sie konnte nicht."
Er schaut ins Feuer.
"Adam hat mir erzählt was er gedacht hat in dieser Nacht."
Eva: "Was?"
"Er hat gedacht: Wenn ich das Paradies mit niemandem teilen kann - dann ist es mir nichts wert."
Stille am Feuer in Mexiko.
"Das ist der Moment wo er gegangen ist. Nicht wegen Domingos, nicht wegen dem Land. Sondern weil Paradies ohne Liebe nur ein schöner Platz ist."
Eva schaut Adam an.
Adam schaut ins Feuer.
"Und dann?"
Adam lächelt.
"Dann wurde ich nach Wien eingeladen. Um zu sagen: Ubuntu lebt schon. Wir haben es gebaut."
Er schaut sie an.
"Und irgendwann - nach allem - bin ich in Venezuela angekommen."
Pause.
"Das Paradies wartet immer. Es ist geduldig."
