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Barcelona

Adam - innerer Monolog


Park Citadelle. Barcelona.

Mein Zuhause: ein Schlafsack. Ein Backpack. Eine Gitarre.

Die anderen hier - Obdachlose, Wanderer, Menschen die irgendwo zwischen zwei Leben stecken - schauen mich nicht komisch an. Ich schaue sie nicht komisch an.

Wir sind die gleiche Sorte Mensch.


Alvaro und der Marokkaner

Alvaro ist Peruaner. Spielt Gitarre wie jemand der damit aufgewachsen ist - weil er damit aufgewachsen ist. Ich begleite ihn auf irgendwas, auf dem man trommeln kann. Wasserflaschen, auf meinen Schenkeln was auch immer ich in die Finger bekomme.

Wir spielen zusammen in den Strassen Barcelonas. Gràcia, Arc de Triomf, Barceloneta. Überall wo Menschen stehen und zuhören wollen.

Im Park spiele ich zusammen mit dem Marokkaner. Hohe Stimme, arabische Melodien, auf Spanisch. Das Ergebnis ist schöner als es klingt wenn ich es beschreibe.

Ein Kolumbianer kommt manchmal mit. Maler. Er malt während wir spielen. Manchmal kauft jemand ein Bild.

Wir sind keine Band. Wir sind keine WG. Wir sind einfach Menschen die sich gefunden haben im selben Park zur selben Zeit.

Ubuntu ohne es so zu nennen.


Orgiva. Zurück nach Barcelona.

Daniel, die Jurte, die Olivenernte. Ich half beim Aufbau - Jurte, Aussenküche, Ernte. Über den Winter.

Dann: Streit mit dieser dunkelhäutigen Sister als London. Wegen des Abwaschs.

Es klingt lächerlich wenn man es so sagt. Wegen des Abwaschs.

Aber Gemeinschaften scheitern selten an großen Dingen. Sie scheitern an kleinen. Am Abwasch. An wer das Feuer macht. An wer wann aufräumt.

Wir wurden beide rausgeschmissen - ich und eine Frau die ich mochte, eine wunderschöne dunkelhäutige Frau mit einem Lachen das den ganzen Raum füllte. Wegen des Abwaschs.

Zurück nach Barcelona.


Aber die Leute im Park sind weg.

Die Polizei oder das Wetter hat sie vertrieben. Der Park ist sauber. Leer. Riecht nach Desinfektionsmittel.

Alvaro: weg. Der Marokkaner: weg. Der Kolumbianer: weg.


Die Nacht

Ich schlafe im Park. Weil ich nirgendwo anders schlafen kann.

Irgendwann in der Nacht wache ich auf.

Jemand war da.

Ich greife neben mich.

Rucksack: weg. Schuhe: weg.

Der Park ist abgeschlossen - der Dieb müsste noch hier sein. Ich stehe auf. Suche eine Stunde lang. Jeden Winkel.

Dann - in einem Gebüsch - der Backpack.

Liegen gelassen. Zu sperrig, oder er hatte genug.

Ich öffne ihn.

Ein paar Klamotten. Das Nötigste. Kein Computer. Keine Wertsachen. Keine Schuhe.

Ich sitze auf dem Boden des Parks.

Und denke: okay.

Nur okay.

Nicht wütend. Nicht verzweifelt.

Okay. So ist das jetzt.


Decathlon

Morgens. Ich laufe barfuss durch Barcelona.

Decathlon. Ich brauche Schuhe.

Ich gehe zur Tür.

Der Sicherheitsmann schaut mich an. Schaut auf meine Füsse.

"Sin zapatos no puedes entrar."

Ohne Schuhe kein Einlass.

Wir schauen uns an.

Dann gehe ich zur Strassenecke. Alter Mann. Flip Flops. Touristen-Ware.

Drei Euro.

Ich kaufe ein Paar.

Gehe zurück.

Der Sicherheitsmann schaut auf die Flip Flops.

Lässt mich durch.

Ich kaufe Schuhe.


Auf dem Weg raus denke ich:

So kann man das immer machen.

Nicht als Triumph. Nicht als Witz.

Einfach als Beobachtung.

Das Leben stellt ein Problem. Das Problem hat eine Lösung. Die Lösung ist meistens einfacher als das Problem aussieht.

Flip Flops: drei Euro. Einlass: gewährt.

Das Universum hat Humor.

Ich lache. Alleine auf der Strasse in Barcelona. Mit neuen Schuhen und einem leeren Backpack.

Ich lache.