Israel
Adam - innerer Monolog
Israel.
Ich hatte immer eine Beziehung zu diesem Land die ich nicht erklären kann.
Nicht religiös. Nicht politisch. Einfach - dieses Gefühl dass dort etwas wartet. Etwas das ich sehen muss.
Nazareth
Der Tribal Crafting Tribe lebt in der Nähe von Nazareth.
Nicht weit von wo Jesus geboren wurde - was ich nicht erwähne weil es sofort die falschen Gespräche auslöst. Aber ich denke es. Ein Mann der vor zweitausend Jahren dasselbe gesagt hat was ich heute sage - liebt euch gegenseitig, teilt was ihr habt, niemand ist mehr wert als ein anderer - und dafür gekreuzigt wurde.
Manche Ideen brauchen zweitausend Jahre um anzukommen.
Wir sitzen im Circle mit dem Tribal Crafting Tribe.
Andere Sprache. Anderes Essen. Anderes Klima.
Aber der Circle ist derselbe.
Talking Stick. Jeder darf. Niemand wird unterbrochen.
Das ist keine jüdische Tradition. Das ist keine christliche Tradition. Das ist keine Rainbow Tradition.
Das ist eine menschliche Tradition.
Jerusalem
Die Klagemauer.
Ich stehe davor und weiß nicht was ich fühlen soll.
Millionen Menschen haben hier gebetet. Millionen Zettel mit Wünschen stecken in den Ritzen. Millionen Tränen sind in diesen Stein gesunken.
Ich lege meine Hand an den Stein.
Er ist warm.
Nicht von der Sonne - obwohl die Sonne brennt. Warm von innen. Warm von allem was er getragen hat.
Ich schließe die Augen.
Und sage - nicht laut, nur in Gedanken:
Ahimsa.
Tu keinem Lebewesen Leid an.
Das ist mein Gebet. Das ist mein Gesetz. Das ist alles was ich hier sagen kann.
Ahimsa
Joe Kreisel hat mir das Konzept des Freeman erklärt. In Österreich. Auf dem Festival.
Die Gesetze eines Staates - ich akzeptiere sie. Ich kämpfe nicht dagegen.
Aber ich habe mein eigenes Gesetz.
Ein Artikel. Ein Satz.
Tue keinem Lebewesen Leid an.
Kein Staat hat dieses Gesetz geschrieben. Kein Parlament hat darüber abgestimmt. Kein Richter kann es auslegen.
Es braucht keine Auslegung.
Ahimsa.
Das reicht.
Ich denke an Mohandas Gandhi. Der dasselbe Wort kannte. Der damit ein Imperium in die Knie zwang - nicht mit Gewalt, sondern indem er einfach aufgehört hat mitzumachen.
Ich denke an die Mauer vom Gazastreifen.
Gaza
Wir fahren hin.
Manche fragen: ist das nicht gefährlich?
Ich sage: gefährlicher als Tirol wo mich das eigene Militär eingesperrt hat? Gefährlicher als Barcelona wo mir alles gestohlen wurde? Gefährlicher als die Nacht zwischen zwei Ländern die mich beide nicht wollten?
Gefahr ist relativ.
Wir kommen als das was wir sind - Menschen ohne Waffen, ohne Agenda, ohne Fahnen.
Pi-Raten.
Wir schenken was wir haben. Wir helfen wo wir können. Wir fragen nicht nach Religion oder Nationalität.
Ahimsa.
Die Mauer steht noch - aber nicht mehr lange. Das spüre ich.
Nicht weil Politiker es entschieden haben. Sondern weil Mauern immer fallen wenn genug Menschen aufhören sie zu glauben.
Wir helfen beim Aufbau. Kleine Dinge. Soziokratie erklären. Zeigen wie ein Circle funktioniert. Wie man Entscheidungen trifft ohne dass einer der Chef ist.
Das ist alles was wir mitbringen.
Das ist genug.
